Kaschieren statt Problemlösung

Der Umgang mit rechten
Security-Unternehmen in Chemnitz

Die detaillierte Betrachtung der Security-Unternehmen in Chemnitz, die den weit überwiegenden Teil der Dienstleistungsfirmen im Bereich Sicherheit in Chemnitz ausmachen, zeigt, wie umfassend das Problem ist. Zwar gab es in den vergangenen Jahren nach kritischen Artikeln zu rassistischen Ausfällen einiger Unternehmen bei manchen Auftraggeber*innen ein Umdenken, allerdings ist es bis heute kaum möglich, im Alltag nicht an Securitykräfte aus der extremen Rechten zu geraten. Die allermeisten Sicherheitsunternehmer*innen in Chemnitz denken zuallererst wirtschaftlich. Die Generierung und Weiterführung lukrativer Aufträge steht für sie im Vordergrund, Berichte über unangemessenes Verhalten sind verhältnismäßig selten.
So ist es nicht verwunderlich, dass die Präsenz von Neonazis an den Türen der Stadt nicht in ihrem tatsächlichen Ausmaß auffällt. Bewusst vergebene Aufträge an Neonazis und das Ausleben der politischen Gesinnung durch die Mitarbeitenden kommen zwar vor, täuschen aber über das eigentliche Maß des Problems hinweg: Der massive Geldfluss in aus der extremen Rechten getragende Unternehmen, sichere Anstellungsverhältnisse für Personen, die in ihrer Freizeit die Neonaziszene der Stadt organisieren und die Ignoranz gegenüber marginalisierten Personen sind in diesem Komplex weit umgreifender und damit der Kern des Problems. Während der Einsatz rechter Security für die weiße Mehrheitsgesellschaft in ihrem Erleben kaum einen Unterschied machen dürften, sind Erzählungen von Mirkoagressionen und rassistischen Einlasspraktiken immer wieder, wenn auch nur leise, vernehmbar. Die Stadt führte immerhin in den letzten Jahren eine Vergaberichtlinie für Sicherheitsdienstleistungen ein, die sich nicht allein am Preis, sondern auch etwa nach interkultureller Kompetenz richtet. Aus Verlautbarungen der Stadtverwaltung lässt sich trotzdem viel zu oft entnehmen, dass es ihnen statt um tatsächliche “Toleranz und Weltoffenheit” vielmehr ums eigene Image geht. Das passt gut zu den Veranstalter*innen innenstädtischer Feste wie der “Exclusiv Events” und Veranstaltungszentren wie dem “Luxor”, die natürlich um eine positive Außendarstellung bemüht sind, sich aber auch nach kritischen Berichten über die von ihnen beschäftigten Unternehmen nicht von ihnen trennen wollen. Schließlich ist der Preis nach wie vor ein treibender Faktor, denn Berichte über Lohndumping, Tricksereien und die Ausbeutung von Arbeitskräften sind besonders aus den rechten Unternehmen immer wieder zu vernehmen.

Die Weiterbeschäftung von Unternehmen mit rechtem Hintergrund geschieht darüber hinaus offenbar auch aus Bequemlichkeit und der Angst vor Konsequenzen aus der Neonaziszene. Sprach man in der Vergangenheit Eventveranstalter*innen auf die von ihnen eingesetzten Unternehmen an, hieß es immer wieder, man sei sich des Hintergrunds der Firma zwar (mehr oder weniger) bewusst, aber man habe ihnen gegenüber den Wunsch geäußert, für die eigenen Events keine Rechten eingesetzt zu bekommen. Um die Nachfrage zu bedienen, stellten die rechten Unternehmer statt der Kameradschafter ein paar zumindest nicht-rechts aussehende und/oder migrantisch gelesene Mitarbeitende zur Verfügung. So finanzierten “linke” Clubs und soziokulturelle Zentren über Jahre die rechten Firmen weiter. Zu besonders großen Veranstaltungen ist es bislang überdies kaum möglich, das gesamte Event ohne Neonazis durchzuführen, weshalb zumindest Nachtwache-Schichten trotz intensiver Bemühungen an Subunternehmen vergeben wurden, die wiederum die bei ihnen angestellten Neonazis einsetzten. Dass zu gewissen Einsätzen ausschließlich rechte Sicherheitskräfte aufzutreiben sind, kann dabei freilich kein Grund dafür sein, diesen Missstand so zu belassen.