S3 Security / Bluemel Services

Wo gestandene Nazis für Sicherheit sorgen

Das in Reichenbrand ansässige Unternehmen Bluemel Services ist seit vielen Jahren einer der bekanntesten Player im Milieu der rechten Sicherheitsunternehmen in Chemnitz. Offiziell wird es von Ivonne Blümel geleitet, allerdings dient Blümels Lebensgefährte Hardy Wittig als Ansprechpartner, Gesicht und offenbarer Leiter des Sicherheitszweiges der Firma. Auch die Handynummer im Impressum läuft auf Wittig. Dennoch ist Blümel die Geschäftsführerin von zwei Unternehmen: Der S3 Security Technik GmbH zur Vermietung und zum Verkauf von Kamera-, Überwachungs- und Sicherheitstechnik und der Temmlers Eiscafe UG, über die sie das gleichnamige Eiscafé auf der Zschopauer Straße im Stadtteil Bernsdorf betreibt.

Laut ihrer Website ist “Bluemel Service” auch im Handwerksbereich aktiv und habe etwa Tischler, Elektriker und Klempner im Einsatz. Darüber hinaus betreibe sie einen Gastronomie-Service, der unter anderem den Brauclub, das Turm-Brauhaus, die Villa Esche, Porsche und Vodafone zu seinen Kunden zähle. Bei so einem breiten Dienstleistungsspektrum verwundert es, dass Ivonne Blümel für ihren Kerngeschäftsbereich offenbar nie eine Firmengesellschaft (GmbH, GbR, UG,…) in Deutschland registriert hat. Stattdessen findet sich im englischen Birmingham eine “Bluemel Services Limited”, die von 2007 bis 2019 existierte.

S3 Security wird immer wieder zu größeren Veranstaltungen wie dem “Herzschlag-Festival” gebucht und bewachte unter anderem Veranstaltungen im Terminal 3 und Luxor. Zuletzt waren sie für die Sicherheits des “Ankerberg-Festivals” am Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal verantwortlich. In Chemnitz bestreift S3 u.a. zahlreiche Objekte in der Hand der Firmengruppe Kellnberger, darunter die Ermafa-Passage, das Parkhaus am Johannisplatz, Gewerbeflächen am Rosenhof und das Terminal 3.

Hardy Wittig ist neben seiner Tätigkeit bei S3 Vorstand im Ground and Pound Fight Team Chemnitz e.V., ehem. PARAMOUNT – east attack e.V., ein Kampfsportverein, der sein Gym in der Chemnitzer Schönherrfabrik betreibt und bei dem auch mehrere Mitarbeitende von S3 Security und einige Neonazis sowie in der Vergangenheit auch ein Polizist trainieren. Da die Schönherrfabrik selbst von S3 bewacht wird, ist sie damit sowohl Vermieter als auch Auftraggeber für Wittig. Bis zu dessen Tod arbeitete auch der Neonazi Thore Probst, Sohn der mumaßlichen NSU-Unterstützer*innen Antje Böhm und Michael Probst aus Limbach-Oberfrohna, als Trainer in Wittigs Gym und zeitweise für S3. Heute arbeitet u.a. der Neonazi Arno Knau im Gym. Dass auch vereinzelte Migranten mit dem Ground and Pound Team trainieren, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass organisierte Neonazis hier unter anderem ihre Fähigkeiten zum Straßenkampf erlernen. Wittig kämpfte über viele Jahre als Judoka für den Chemnitzer Polizeisportverein.1

Die Firma S3 Security beschäftigte und beschäftigt bis heute eine ganze Reihe an aktiven Neonazis, u.a. Tim Kühn (u.a. Organisator des neonazistischen Kampfsportturniers Tiwaz), Christoph Drewer (u.a. ehemaliges Bundesvorstandsmitglied der Partei “Die Rechte”), Andreas Köhler (langjähriger Neonazi, u.a. Teilnehmer bei “HoGeSa” und Besucher des neonazistischen Kampfsportturniers “Kampf der Nibelungen” in Ostritz), Enrico “Enno” Schwarz, Rick Bochert (Kommunalwahlkandidat für “Pro Chemnitz” und Umfeld der ehem. “Nationalen Sozialisten Chemnitz”) und Florian Meier, der an mehreren extrem rechten Aufmärschen teilnahm.

Dass sämtliche genannte Mitarbeiter außer Wittig selbst an der Beerdigung von Security-Unternehmer Thomas Haller, Gründer der Nazi-Hooligan-Gruppe “HooNaRa” (“Hooligans Nazis Rassisten”, eine Selbstbezeichnung), teilnahmen, erscheint angesichts der sonstigen politischen Verstrickungen der S3-Mitarbeiter kaum noch erwähnenswert.

Das MDR-Format „Exactly“ berichtete ausführlich über extrem rechte Vorfälle in sächsischen Sicherheitsunternehmen. Dabei wurde auch die Rolle des Neonazis Christoph Drewer bei S3 beleuchtet.2

Die Firma S3-Security, die u.a. für Türsteherdienste im Chemnitzer Club Luxor zuständig ist, steht laut einem Bericht der Freien Presse in der Kritik, mehrfach Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert zu haben.3 Der Fall des rumänischen Arztes Adrian Angelescu wurde 2019 erstmals gerichtlich verhandelt und endete mit einem Schuldspruch gegen den Clubbetreiber.
Angelescu wurde 2018 der Eintritt in die Diskothek Luxor verweigert, weil er einen rumänischen Ausweis vorlegte. Der Türsteher habe laut Angelescu erklärt: „Wir lassen nach Anweisung vom Chef nur noch Studenten rein. Alles, was Rumänen, Polen, Syrer sind, haben wir nur schlechte Erfahrung.“ Zudem sei er aufgefordert worden, einen Arbeits- oder Ärzteausweis vorzulegen, um Einlass zu erhalten. Eine ähnliche Situation habe sich eine Woche später vor einem anderen Club wiederholt, wobei der Türsteher gesagt habe: „Der Chef will Rumänen, Polen, Syrer nicht hier drin haben wegen Ärger.“
Angelescu zeichnete die Gespräche auf und brachte den Fall mit Unterstützung des Antidiskriminierungsbüros Sachsen vor Gericht. Der Türsteher räumte schließlich ein, die Anweisung, bestimmte Nationalitäten auszusperren, erfunden zu haben. Das Amtsgericht entschied, dass Angelescu aufgrund seiner Herkunft diskriminiert wurde, und sprach ihm eine Entschädigung von 500 Euro zu.
Der Geschäftsführer des Luxor erklärte, es habe nie eine solche Anweisung gegeben und man habe mit dem Sicherheitsdienst gesprochen, um dies klarzustellen. Dennoch zog der Clubbetreiber die Berufung gegen das Urteil erst zurück, nachdem das Landgericht signalisiert hatte, dass die Entschädigungssumme auch hätte steigen können.
Angelescu zeigte sich froh über den gerichtlichen Erfolg, äußerte jedoch Zweifel, ob die Gegenseite die Bedeutung ihrer Taten verstanden habe. Der Fall sei ein seltenes Beispiel dafür, dass Diskriminierung rechtlich verfolgt und geahndet werde.

  1. https://www.cpsv.de/home-2.html?view=article&id=533:sport-vom-wochenende-cpsv-judo-20&catid=66
    ↩︎
  2. https://www.youtube.com/watch?v=h8Z9J05rU
    ↩︎
  3. https://www.freiepresse.de/chemnitz/nicht-reingelassen-weil-er-rumaene-ist-chemnitzer-club-muss-sich-erstmals-vor-gericht-verantworten-artikel12069184 ↩︎